Alternative lokale Behandlungsmethoden gegen Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA) und andere (multiresistente) Erreger (MRE) - Züchtung von MRSA aus Methicillin-sensiblen Staphylokokken (MSSA)  

Kurzfassung

< In der vorliegenden Arbeit wurden mikrobiologische Untersuchungen mit gegen Antibiotika multiresistenten Bakterien durchgeführt, die aus Probenmaterial erkrankter Patienten isoliert wurden. Hierbei wurde mit Techniken gearbeitet, die in der mikrobiologischen Forschung und medizinischen Diagnostik üblich sind (Anzucht in Bouillon, Verdünnungsreihen mit verschiedenen Wirkstoffen, Bebrütung auf Universal- und Selektiv-Agarplatten bei 37° C. Es wurde versucht, eine preisgünstige Technik, bzw. einen kostengünstigen Wirkstoff für die äußere Anwendung und Dekontamination bei erkrankten Patienten und medizinischem Personal zu ermitteln, und dessen Wirksamkeit zu prüfen. In Krankenhäusern gibt es seit einigen Jahren zunehmend große Probleme mit Infektionen durch Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA). In Deutschland infizieren sich jährlich 40.000 bis 50.000 Patienten mit MRSA, wobei diese Infektion zwischen 700 und 1.500 Todesopfer fordert. Der Hauptübertragungsweg sind die Hände des medizinischen Personals als asymptomatische MRSA-Träger. Insbesondere bei Klinikpersonal ist eine Dauerbesiedelung z.B. des Nasenvorhofes mit MRSA ein großes Problem, da diese Mitarbeiter für die Arbeit an offenen Wunden oder mit immungeschwächten Patienten nicht einsetzbar sind, bzw. beurlaubt werden müssen, was zu einer ökonomisch kaum erträglichen Situation führt. Es darf davon ausgegangen werden, dass ein Screening des Klinikpersonals deshalb nicht regelhaft durchgeführt wird, damit durch positive Untersuchungsbefunde auf MRSA keine Schäden durch Personalausfall und Dekontaminierungskosten entstehen. Eine Ansteckung von Patienten wird hierbei missbilligend in Kauf genommen. Bei asymptomatischen MRSA-Trägern/ Patienten mit Besiedelung des Nasenvorhofes (typischer Fall) wird eine Dekolonisation standardmäßig mit einer fünftägigen Applikation von Mupirocin-Nasensalbe durchgeführt. Diese Salbe ist relativ teuer (44 € pro Behandlungszyklus). Auf der Suche nach preisgünstigen unbedenklichen Wirkstoffen für die äußere Anwendung gegen MRSA kamen wir aufgrund der hautverträglichen Anwendbarkeit auf die Idee, Acetylsalicylsäure (Aspirin) und Aluminium-Acetat-Tartrat (AAT, Essitol) auf Ihre Wirkung gegen MRSA und andere pathogene Bakterien zu untersuchen. Hierbei sind wir zu folgendem Ergebnis gekommen: Mit einer 3% Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) bzw. mit einer 2,5% Aluminium-Acetat-Tartrat (AAT, Essitol)-Zubereitung kann man das Wachstum von MRSA und anderen pathogenen Keimen wirkungsvoll bei minimalen Kosten unterdrücken. Es ist sehr einfach, mit diesen Wirkstoffen eine haltbare und unbedenkliche Arzneimittel-Formulierung herzustellen. Die Versuche, multiresistente Staphylokokken (MRSA) mit dem Wildtyp SA zu verdrängen waren erfolgreich, allerdings langwierig, so dass wir dem Konzept, einen MRSA mit SA zu verdrängen keine praktische Relevanz beimessen, ebenso nicht wie die Verdrängung durch Hefepilze und Milchsäurebakterien, welche andere Nährstoff-Bedingungen erfordern, als sie auf der Haut angetroffen werden. Unser Oxacillin (= Methicillin)-Selektionsdruck-Versuch belegt sehr eindrucksvoll, dass es in vitro lediglich zweier Überimpfungszyklen bedarf, um aus einem Methicillin-sensiblen Staphylococcus aureus (MSSA) einen Methicillin-resistenten (MRSA) zu züchten. Es muss eine genetische Plasmidübertragung zwischen SA und dem Genom des MRSA stattgefunden haben. In vivo könnte dies bereits nach nur einem ß-Lactam-Antibiotika-Therapiezyklus von 5-10 Tagen der Fall sein. Dies macht deutlich, wie kritisch man die Anwendung von Antibiotika betrachten sollte.


von Miriam Herma, Kurt Stiller und Anahita Abazari (Jugend forscht)



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Regionalwettbewerb "Jugend forscht/Schüler experimentieren" Köln, 2008