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Wie werden Verwandtschaftsbeziehungen von Lebewesen rekonstruiert? |
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Kurzfassung
In dieser „Jugend forscht“-Arbeit habe ich mich mit der Rekonstruktion von Verwandtschaftsbeziehungen bei
Primaten anhand der Nukleotidsequenzanalyse ausgewählter Gene auseinandergesetzt.
Einleitung und Fragestellung: Ich habe mich zunächst mit der Evolutionstheorie nach CHARLES DARWIN
(Umgestaltung der Lebewesen durch Mutationen und anschließende Selektion) und deren Übertragung auf die
genetische Ebene (Synthetische Evolutionstheorie) vertraut gemacht. Des Weiteren beschäftigte ich mich mit
der Phylogenese (Stammesentstehung = evolutionäre Entwicklung der Lebewesen im Laufe der Erdgeschichte).
Eine solche Entwicklung wird u.a. durch vergleichende Betrachtung der verschiedenen Lebensformen
erkennbar (fossil u. rezent). Zum Vergleich kann man unterschiedliche Merkmale heranziehen, z. B.
Nukleotidsequenzen. Um eine solche Untersuchung mit Hilfe von genetischen Daten vorzunehmen, müssen die
zu analysierenden Gene aber in allen Organismen, die untersucht werden sollen, vorhanden sein und als
Sequenz vorliegen.
Um die Phylogenie des Menschen anhand eines solchen Vergleiches zu rekonstruieren, habe ich 10 Primaten
ausgewählt, da sie mit uns, den Menschen, am nächsten verwandt sind. Ich habe für die Untersuchung das
ND3-Enzym codierende Gen (Untereinheit eines Enzyms der Atmungskette) und das 12S rRNA codierende Gen
(Baustein des mitochondrialen Ribosoms) der mtDNA ausgewählt, da hierfür die o.g. Bedingungen erfüllt sind.
Methodik: Die benötigten Nukleotid- und Aminosäuresequenzen wurden aus der Datenbank GenBank
(www.ncbi.nlm.nih.gov) heruntergeladen und in das benutze Alignment-Programm (BioEdit) importiert. Beim
Alignieren homologisiert man die einzelnen Sequenzpositionen. Da Nukleotidabfolgen von Organismen nicht
identisch sind, sucht man gleiche oder zumindest ähnliche Nukleotidabschnitte und ordnet sie durch
Verschieben (unter Beibehaltung der Reihenfolge) einander zu. Dies habe ich in manueller „Kleinarbeit“
durchgeführt. Mit dem Programm Treecon wurde aus den alignierten Sequenzen mithilfe eines bestimmten
Substitutionsmodells (nach Jukes-Cantor) und bestimmter eingestellter Algorithmen eine Distanzmatrix
ermittelt. Auf deren Grundlage konnten dann die phylogenetischen Bäume dargestellt werden. So wurden drei
sich leicht in ihrer Topologie unterscheidende Bäume (ein ND3-Baum, ein 12 S-Baum und ein entsprechender
AS-Baum) erstellt. Diese wurden in einem sogenannten Consensus Tree vereint, der gleiche Verzweigungen
aller drei Bäume übernimmt und sich widersprechende Verzweigungen als unaufgelöst darstellt.
Ergebnisse: Das Alignment der AS-Sequenz des ND3-Enzyms erwies sich als relativ unproblematisch, da sich im
Laufe der Entwicklungsgeschichte strukturell wenig verändert zu haben scheint. Das Alignment der
Nukleotidsequenzen des ND3-Enzym codierenden Gens war schon umfangreicher, aber auch wenig
problematisch. Am problematischsten war das 12S rRNA Gensequenzalignment war, da es dort erhebliche
Sequenzunterschiede zwischen den Lebewesen gibt und somit homologe Sequenzbereiche schwer zu finden
waren. Hier musste daher die entsprechende Sekundärstruktur dieses RNA-Moleküls zur Homologisierung der
Sequenzen mit herangezogen werden. Die letztlich ermittelten Stammbäume weisen viele Gemeinsamkeiten,
aber auch einige Unterschiede in der Topologie (= Aufzweigungsabfolge) auf. Überall einheitlich gut abgegrenzt
wurde die Gruppe bestehend aus Mensch, Schimpanse und Bonobo. Beim AS-Baum fand aber beispielsweise
keine eindeutige Zuordnung des Weißhandgibbons statt. Er wurde hier näher zu den geschwänzten Affen
eingeordnet, obwohl er eher zu den ungeschwänzten Menschenaffen zählt. Dies zeigen die anderen beiden
Bäume dafür deutlicher.
Diskussion: Trotz der Verwendung eines stark vereinfachenden Evolutionsmodells (nach Jukes-Cantor) sind die
ermittelten Ergebnisse plausibel und stimmen weitgehend den Ergebnissen anderer Forschungsarbeiten, die
mit anderen Gensequenzen und anderen zum Teil wesentlich aufwendigeren Algorithmen-Modellen ermittelt
wurden, überein. Dennoch sollte man wissen, dass die Auswahl bestimmter Gene, wie in meiner Arbeit, immer
nur sehr kleine Ausschnitte eines Genoms darstellen und damit nicht zwingend repräsentativ für die
stattgefundene Evolution des kompletten Genoms sind.
Zusammenfassend kann man feststellen, dass meine Untersuchung gezeigt hat, dass die fortschreitende
Entwicklung der Gensequenzierung sehr hilfreich zur Klärung von Verwandtschaftsbeziehungen ist und die
klassischen Methoden (vergleichende Morphologie, Embryologie, etc.) sehr gut ergänzt.
von Claudia Haase (Jugend forscht)
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| Regionalwettbewerb "Jugend forscht/Schüler experimentieren" Köln, 2008 |
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